Das irre Finale von Rodewisch
Mitglied der Redaktion, 01.10.2014
2:4 lag der VfB Lengenfeld am Sonntag im Spiel der Fußball-Vogtlandliga in der 89. Minute zurück. Verlassen hat die Elf den Platz in der Nachbarstadt am Ende als 5:4-Sieger.
Von Monty Gräßler
Rodewisch/Lengenfeld - Drei Euro Eintritt für das Vogtlandliga-Fußballspiel zwischen dem 1. FC Rodewisch und dem VfB Lengenfeld waren gut investiert. Beim 5:4-Erfolg der Gäste bekamen die 190 Zuschauer neben reichlich Toren vor allem eine Schlussphase zu sehen, wie es sie wohl nur aller Jubeljahre einmal gibt. Denn die Rodewischer sahen beim 4:2 in der 89. Minute schon wie der Sieger aus, schlichen aber kurz darauf mit hängenden Köpfen vom Platz. Denn der VfB Lengenfeld hatte die Partie mit einer verrückten Aufholjagd in den Schlussminuten noch gedreht.
"Ich hätte schon das 4:4 sofort unterschrieben."
Thomas Sachs Lengenfelder Trainer
"So ein Spiel habe ich noch nie erlebt", sagt der Rodewischer Trainer Andreas Wolf, der unmittelbar nach dem Spiel genauso sprachlos wie seine Spieler und der einheimische Anhang war. "Eigentlich hat sich ja schon das 4:4 wie eine Niederlage für uns angefühlt, weil wir das Spiel zuvor über weite Strecken dominiert haben", erklärt Andreas Wolf. In der dritten Minute der Nachspielzeit musste der seit Sommer in Rodewisch tätige Lengenfelder dann aber auch noch mit zusehen, wie sein Ex-Verein noch einen draufsetzte. "In der Kabine war es ganz ruhig. Die Jungs waren fast wie im Schockzustand", berichtet er.
Die Lengenfelder dagegen feierten den irren Last-Minute-Sieg ausgelassen. Trainer Thomas Sachs, der viele Jahre mit Andreas Wolf zusammenspielte, war mittendrin. "Die Mannschaft hat sich dafür belohnt, dass sie nie aufgegeben hat. So wie es sich letztlich abgespielt hat, war aber auch eine Riesenportion Glück dabei. Eigentlich war das Spiel entschieden. Ich hätte schon das 4:4 sofort unterschrieben, aber irgendwie hat das Derby Kräfte freigesetzt, dass es sogar noch zum fünften Tor reichte. Sowas überrascht dich wie ein Silvesterknaller, der plötzlich neben dir explodiert."
Der Lengenfelder Trainer hofft, dass seine Mannschaft die Euphorie von Rodewisch mit in die nächsten Spiele nehmen kann. "Als Aufsteiger ist jeder Punkt extrem wichtig. Für uns wird es in den nächsten Wochen darauf ankommen, den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu wahren", sagt Thomas Sachs. Nach dem Derby gegen Irfersgrün warten mit Schreiersgrün, Auerbach II und Kottengrün Top-Teams auf den VfB.
Beim 1. FC Rodewisch, der sich trotz des dramatischen Finales als fairer Verlierer erwies, will man die letzten Minuten vom Sonntag in Ruhe auswerten. "Dass man in der Situation als Trainer nicht direkt eingreifen kann, hat ja auch schon Jogi Löw beim 4:4 der Schweden nach 4:0-Führung der Deutschen im Länderspiel erfahren müssen", sagt Andreas Wolf. Lange nachdenken können seine Jungs ohnehin nicht, da am Freitag das Pokalspiel gegen Irfersgrün ansteht.
Derweil haben sich die Lengenfelder am Sonntag nicht zum ersten Mal als Mannschaft erwiesen, die bis zum Abpfiff an ihre Chance glaubt. Im Oktober 2013 lag der VfB in der Vogtlandklasse beim SV Bobenneukirchen lange Zeit 0:1 zurück, ehe er durch Tore in der 88., 89. und 90. Minute doch noch gewann...
Quelle:Freie Presse