VfB Lengenfeld das Maß aller Dinge?
Mitglied der Redaktion, 03.08.2013
Manches ist eben Ansichtssache – wie auch die Vogtlandklasse. Die meisten können mit ihr ganz ordentlich leben. Für viele Kreisligisten ist sie das Ziel aller Träume, weil sie vogtlandweit präsent ist. Und dann gibt es noch jene, die einen längerfristigen Aufenthalt fürchten. Es sind die Absteiger, welches ihr Gastspiel auf den kürzestmöglichen Zeitraum beschränken wollen. Das vergangene Spieljahr zeigte deutlich, dass das Niveau dem der Bel Etage mit Ausnahme der Topteams nicht viel nachsteht. Concordia Plauen und Grünbach blieben oben , während von den beiden Absteigern Turbine Bergen im freien Fall durchgereicht wurde und sich die Wernesgrüner nur dank einer starken Rückrunde über den ominösen Strich hielten. Und diesmal? Der VfB Lengenfeld, Spitzenreiter der Ewigen Tabelle des ehemaligen Göltzschtaloberhauses und erster vogtlandweiter Pokalsieger, hat sich die Rückkehr auf die Fahnen geschrieben und gilt bei den Experten als das heißeste Eisen auf den Staffelsieg. Mit weniger Vorschußlorbeeren wird der SV Coschütz bedacht. Für den gilt es, nach seinem Seuchenjahr, erst einmal wieder Boden unter den Füßen zu bekommen und sich möglichst frühzeitig aus dem sportlichen Existenzkampf zu halten. Vor allem zu Hause soll beim SV unbedingt wieder Stabilität und Stärke einkehren. Lengenfelds neuer Mann auf der Bank Thomas Sachs wird sich vor der Favoriten-Rolle nicht drücken , sein Kollege vom Leidensgefährten SVC Lothar Winczek (vom Stadtrivalen Elsterberger BC) ist dagegen etwas vorsichtiger. Denn gerade die vergangene Serie in „Vogtlands 2.Liga“ zeigte, dass man aufgrund der Leistungsdichte und folglich geringer Punktabstände mit einer Siegesserie schnell nach oben gespült werden kann und im Falle einer Pechsträhne aber auch rasant in Richtung Abstiegszone gerät. Nur achtzehn Punkte trennten dem auf den ersten Schleudersitz einkommenden VfB Plauen Nord vom „schlechtesten“ Aufsteiger Weischlitz. Das ist im Vergleich zu anderen Ligen nicht viel. So eint diesmal so manchen „Geheimfavoriten“ der Glaube, dass Potential zum Aufstieg zu besitzen. Andererseits wissen alle, selbst wenn es keiner zugibt, dass selbst sie nicht vor einem Abstieg gefeit sind. Was wiederum den drei Neuen Mut machen sollte, die sich vor der Konkurrenz wahrlich nicht zu verstecken brauchen. Im dritten Anlauf hat es der VfL Reumtengrün gepackt, den zuvor Neumark und der SV Morgenröthe-Rautenkranz knapp die Tür vor der Nase zuschlugen. Markenzeichen der Mannschaft im Aufstiegsjahr: Tore und nochmals Tore. 52 steuerte allein Sebastian Rauh bei, der den Verlockungen anderer Vereine in der Sommerpause aber nicht widerstand und nach Neustadt wechselte. Da ist guter Rat teuer, um diese Lücke zu schließen. Auf eigenem Platz war der VfL nur ganz schwer zu schlagen. Zuletzt schaffte das kein einziger. Auch der SV Bobenneukirchen blieb vor zwölf Monaten nur denkbar knapp der Sprung in die Vogtlandklasse verwehrt – Platz zwei. Ein DejaVu blieb nicht erspart – aber mit positiven Ausgang. Das bessere Torverhältnis entschied zwar zugunsten der Jößnitzer. Doch die vogtländischen Bezirksligisten (alle drei hielten die Klasse) machten den Weg durch die Hintertür der Relegation frei. Nach einem 2:1 zu Hause und einem 1:1 im Rückspiel knallten die Sektkorken beim zweimaligen Pokalsieger des ehemaligen Plauener Fußballkreises. Dort fristete die SG Jößnitz nur ein Mauerblümchendasein, gehörte bis 2007 ausnahmslos der 2.Kreisklasse an. Seitdem ging es Stück für Stück bergauf. Mit dem Sprung in die vogtländische Zweitklassigkeit steht die Fußballabteilung des zahlenmäßig größten Vereins des Kreises nun vor ihrer bisher größten Bewährung in ihrer Vereinsgeschichte. Trotz des vorprogrammierten Kommen und Gehens in der Spielklasse (fünf Teams sind diesmal neu!) bleibt das Kräfteverhältnis beider ehemaligen Fußballkreise mit jeweils sieben Vereine gleich. Die Suche nach den Aufstiegsanwärtern stellt sich im dritten Jahr schwieriger das als in den zurückliegenden beiden Spielzeiten. Meister Rodewischs jüngste Rekordserie (71 von möglichen 78 Zählern geholt) wird wohl eine Ewigkeit Bestand haben. Straßberg (Platz 4) ist sicherlich im Vorderfeld dabei. Der Ärger, kurz vor dem Zielstrich von den Weischlitzern noch abgefangen geworden zu sein, hielt sich in Grenzen. Auch den launischen Großfriesenern und Adorfern wird etwas zugetraut. Gemessen an ihrer Rückrundenform sind auch die Wernesgrüner ein Kandidat für die Top 5.Immerhin brachten es die Kicker aus dem Bierdorf als einziger den Rodewischern eine Niederlage bei. Für mehr als die Hälfte der Mannschaften ist erst einmal der Klassenerhalt das Ziel. „Gesichertes Mittelfeld“, das wünschen sich die meisten. Das Ziel nach oben korrigieren kann man ja noch allemal. Nicht das dritte Mal dicke Luft einatmen will dabei die SG Unterlosa, die sich mit Christoph Zeuner den torgefährlichsten Angreifer vom Aufsteiger FSV Bau Weischlitz angelte. Aufpassen muss der SV Morgenröthe-Rautenkranz. Die im Frühjahr stark abbauende Elf aus der Kosmonautengemeinde steht vor ihrem zweiten Jahr, welches nach einer Fußballweisheit oftmals das schwerere sein soll. Auch die Wernitzgrüner kamen im zweiten Teil etwas aus der Spur, verspielten dabei ihre Aufstiegschancen. Ein Fingerzeig auf eine kommende schwere Saison? Die beiden Nordvogtländer Neumark und die SpVgg Heinsdorfergrund setzen auf Erfahrung. Für beide gilt, wie für wohl jeden auch: Vorsicht ist immer gut. Sonst hat man am Ende das Nachsehen. (OM)
Quelle:Vogtland Anzeiger/OM